30. September 2009

Pisten-Alpinismus - Konsum Berg

Messner: Ich habe dafür den Begriff des "Pisten-Alpinismus" geprägt. Es ist hier genau das Gleiche passiert wie mit dem Skifahren in den dreißiger Jahren. Früher war Skifahren ein Mittel, um entlegene Regionen zu erreichen, um Abenteuer zu erleben. In den dreißiger Jahren haben tüchtige Touristiker dann erkannt, dass man ein Geschäft daraus machen kann, wenn man Lifte baut und die Pisten präpariert. Man sorgte dafür, dass die Menschen ohne Anstrengung und Gefahren auf die Berge kamen und das Skifahren konsumieren konnten. Das Gleiche ist im Alpinismus geschehen, bis zur Spitze des Mount Everest. Die Routen sind heute mit Leitern versehen und mit Sicherungsseilen gespickt, damit die Kunden hinaufkommen.

MERIAN: Kein echtes Bergsteigen mehr?

Messner: Viele Leute klettern besser als früher, Technik, Training, Ausrüstung sind effizienter geworden. Aber die Haltung ist nicht mehr die gleiche. Die meisten gehen nur noch zum Berg, wenn er präpariert ist. Die Sherpas bauen zuvor Zelte auf, sichern die Aufstiegsrouten und legen Sauerstoffdepots in den Höhenlagern an. Die Agenturen, die den Kunden vorher das Geld abgenommen haben, zahlen für diese Leistungen. Am Everest sind heute im Jahr 2000, 3000 Leute unterwegs, 300 bis 500 schaffen es auf den Gipfel. Es werden da teils Leute hochgeschleppt, die vorher nie eigenständig einen Berg erklommen haben. Heute kann man auf dem Everest-Gipfel schon mit dem Handy telefonieren, Spezialhubschrauber fliegen angeblich bis auf 9000 Meter, Bergungen sind bis 7000 Meter möglich.

(Zitat aus Spiegelartikel:„Das ist eine Banalisierung des Bergs!")

2 Kommentare:

505 6786 hat gesagt…

Ich denke es muss wieder einmal heissen zurueck zu den Wurzeln, denn nur so kann dem Fastfoodtourismus etwas entgegengesetzt werden.

Gruss stw

blacksurf hat gesagt…

Ja, natürlich sonst gibt es nur noch Betonwüsten in den Bergen, das fängt schon in den Alpen an.
Und die Frage ist auch, wie bequem sind wir geworden.
Müssen Buse bis auf den Gletscher hinfahren?
Muss es Wellness- Hoteltempel auf 4000 geben?
Die Spassgesellschaft macht vor nix mehr halt.
Alles ist EVENT.

Es kann auch einen sanften Tourismus in den Bergen geben der die Region unterstützt.
Wie zb. im Lesachtal.