(Höhenmeterangaben kann ich leider nicht genau machen …
geschätzt: ca. 1500 hm rauf, ca. 700 runter)
Wir frühstückten gemeinsam in aller Ruhe und baten den Wirt uns anzumelden in der nächsten Unterkunft und uns Schlafplätze im Refugio zu reservieren. Wir sind ja lernfähig so eine aufreibende Suche sollte uns so schnell nicht mehr passieren.
Dann rauf auf die Pferdchen und los gehts noch schnell ein wenig Proviant mitgenommen und ich orderte in der nächsten Bar die nächste Ladung schwarzes DOPING. Der weitere Weg führte uns durch ein Naturreservat und begann langsam anzusteigen. 
Showi schaute schon am Morgen etwas bedrückt in die Runde und meinte er spüre sein Knie schon ohne Belastung. Es dauerte auch nicht lange und er rief Stop, es ginge so nicht mehr er würde zurück nach Cuneo fahren und mit dem Auto von Killheidi weiter bis Ventigmilia ans Meer.
Schnell war alles geklärt und wir 4 mussten leider alleine weiterziehen ohne unseren “Obachecka”.
Für Ihn war das aber wohl die richtige Entscheidung den der Tag barg noch einige Überraschungen …
So kurbelten wir weiter, Serpentine für Serpentine, wir wählten den Schotterweg um etwas Kräfte zu sparen. In der Karte war ein gestrichelter Tunnel eingezeichnet den wir am Staudamm durchqueren wollten. Die Aussicht war grandios - mächtig und erhaben hob sich die gigantische Staumauer vom Fels ab - die Auffahrt erinnerte etwas an die alte Ponale Straße nur sah die Landschaft natürlich ganz anders aus.
Endlich der Tunnel war erreicht aber nicht passierbar - Ratlosigkeit und Entsetzen machte sich auf unseren Gesichtern breit, sah man doch gegenüber den Wanderweg, den wir eigentlich nehmen wollten in Zickzack-Linien ansteigend, was für ein Höllenanstieg…
Also klingelten wir keck am Klingelknopf der sich rechts neben der verriegelten Tür befanden und auf dem in großen Buchstaben ENEL stand. Etwas mulmig war uns schon zu Mute aber am anderen Ende machte sich eine italienische Stimme bemerkbar. Killheidi versuchte auf Englisch und ein paar Brocken Italienisch klar zu machen das wir den Tunnel gerne passieren würden…Dann plötzlich Stimmenwechsel und ein kurzes: ”ONE MOMENT PLEASE"
Ein Ruck der Erleichterung ging durch die Gesichter und ein breites Grinzen machte sich breit. Jetzt wurden erstmal der Proviant ausgepackt und gespannt gewartet. Die Minuten rannen dahin es verging eine halbe Stunde und dann ganz plötzlich Motorengeräusche die aus dem Tunnel drangen. Ein Schlüssel wurde umgedreht und ein stämmiger kleiner Mann stand vor uns und sprach irgendwas von " It´s no tourist way" Aber dann schwang er seine Arme und signalierte uns das wir ihm folgen sollten. HURRA - wir durften durch! Vor uns eröffnete sich der Blick auf eine riesige Betonwand.


Der Mann von Enel gab uns freundlich Auskunft über den weiteren Weg der uns zum Lago della rovina führte über ein paar Schiebepassagen
Dort hielten wir kurz und beschlossen dort am Zufluß Wasser zu tanken und nicht zur Hütte des Sees zu fahren.
Weichling (unser Slaventreiber;)) meinte das würde uns eine Stunde Zeit kosten die wir nicht hätten.
Also wurden die Pferdchen wieder geschultert und der Aufstieg begann, die ersten Höhenmeter wurden hoch geschuftet.
Der Weg wurde steiler und steiler, teilweise musste man sich jeden Schritt überlegen den man ging, das hies höchste Konzentration. Der Himmel zog sich immer mehr zu und die Riegelpausen wurden kurz gehalten, wir vernahmen schon das erste Donnergrollen am Himmel. Endlich dachte ich "der Gipfel" ist erreicht aber denkste, das war nur eine Zwischenstation wir waren noch meilenweit vom Sattel entfernt. Ich riss mich zusammen und lief stoisch weiter. Weichling schien dem allen zu Trotzen unermüdlich trug er sein Liteville auf dem Rücken und lief ein doppelt so zügiges Tempo wie wir voran. Dann plötzlich verdichtete sich der Nebel und wir mussten ein kleines Schneefeld passieren in einer Senke. 
Auf der anderen Seite ging es noch steiler bergauf. Der Donner kam immer näher ich biss die Zähne zusammen. Weichlings Stimme hallte durch die die Berge: „jetzt schnell machen, keine Zeit verlieren". Viel schneller gings nicht ich war schon am Anschlag, aber wir schritten voran. Er hatte bereits den Gipfel erreicht schmiss sein Rad hin zog und eilte uns entgegen. Er nahm das Rad Killheidi ab, gerade in dem Moment grollte es wieder durch die Berge und die Blitze kamen näher. Ich geriet in Panik, wollte schneller antreten und glitsche an einem Stein aus und das Rad glitt mir von den Schultern. Schnell griff Killheidi meins und ich konnte die letzten Meter ohne Rad erklimmen.
Wir packten unsere Rucksäcke liesen die Räder liegen und stiegen wieder ein Stück abwärts, entzwischen wurde das Grollen immer lauter. Schnell die Regenklamotten raus gezogen und wir verteilten uns etwas mit größerem Abstand. Weichling meinte da oben sei ein See und es sei jetzt zu gefährlich diesen zu passieren also warteten wir. Aus Regen wurde Hagel, jedoch schienen die Blitze wieder etwas nachgelassen zu haben. Weichling gab die Parole aus jeder soll bis 60 zählen und in diesem Abstand gehen wir am See vorbei jeder Einzeln. Als erster würde er gehen und dann sollten wir in Abständen folgen. Als Killheidi an der Reihe war wurde der Donner noch lauter und die Blitze kamen wieder näher. Das Gewitter war direkt vor uns. Ich drückte mich an den Boden als der Donner krachte und ich begann am ganzen Leib zu zittern - ehrlich ich hatte Todesangst - Wir besprachen wir würden noch abwarten es sei riskant und ich meinte ich würde ungerne alleine losziehen. Das Wasser floss über den Rucksack ich bemerkte erst viel später das ich die Regenhülle vergessen hatte. Ich begann zu frieren…Zum Glück hatte der Wettergott ein Einsehen mit uns und wir sahen keine Blitze mehr. Der Hagel hörte auf und wir beschlossen aufzubrechen zumal die Anderen ja dachten wir würden gleich folgen.
Wir suchten den Pfad neben dem See, mussten ein Steinfeld passieren und ich war froh das ich nicht Alleine war.
Langsam kroch die Anspannung aus dem Körper und ich musste erstmal Killheidi kräftig drücken bevor ich weiter runter schob, an Abfahren war erstmal nicht zu denken ich war mental noch nicht bei mir. Dann langsam erwachten die Lebensgeister wieder auf dem Trail und Weichling kam uns schon zu Fuß entgegen und weiter unten wartete El der Signal gegeben hätte, wenn wir nicht aufgetaucht wären. Wir fielen uns alle nochmals in die Arme und genossen den Ausblick auf Refugio Soria-Ellena und surften den traumhaften Trail runter, der dann auch wieder gut fahrbar war. 



In der Hütte erwarteten uns Mary und Martina zwei herzliche Gastgeberinnen die uns gleich Café und Kuchen anboten und eine warme Dusche. Wir hängten schnell unsere Sachen auf hinter der Hütte war eine große Wäscheleine gespannt und im Wind war die Chance groß das mein Seidenschlafsack schnell trocknete…Ich schlüpfte in meine klamme Wander-Zipphose von „Vaude" (die wirklich in 30 min am Leib trocknete es war ja nicht kalt zum Glück) und wir begaben uns zum Essen. Für mich gab es extra was Vegetarisches (ich esse kein Fleisch), aber das war kein Problem. Es gab leckeren Ziegenkäse und Salat die anderen hatten Lamm oder wars „Steinbock" *lach* als Vorspeise schlurften wir gemeinsam eine Gemüsesuppe. Hinterher gabs noch ein Eis und dieses mal zu Feier des Tages gönnten wir uns zusammen noch eine Flasche Vino.
Wir saßen noch etwas länger zusammen, der Fuchs besuchte uns noch zum Abendessen (genannt Marthilde)
bis wir uns auf die „Kursk" begaben. Die Matratzen hatten etwas fakirmässiges man schlief auf blankem Holz 
Die Nacht war kurz und unruhig, wir waren wohl alle noch aufgewühlt von den Geschehnissen des Tages und fanden nicht in den Schlaf.
3. August 2006
3. tag seealpen entraque-bacino della piastra-lago della rovina - bacino del chiotas- colle di fenestrell
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5 Kommentare:
Mit Gewitter im Hochgebirge sollte man nicht spaßen - aber nochmal Glück gehabt und im Staudamm wäre ich gerne dabei gewesen!
sehr beeindruckende fotos!
i will in die berch...abba sofort *gG*
Nochmals Respekt, Bergführerinnenprüfung bestanden..! Bin gespannt wie's weiter gegangen ist.
@coffee
nächste Woche ist es wieder soweit *freu*
Und auf dem Weg zur Falkenhütte gibt es auch genügend Unterschlupfmöglichkeiten;)
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